Teil 2 von 3

Der Leistungstest: Reaktion & Konzentration

Am Computer werden Reaktion, Aufmerksamkeit und Belastbarkeit gemessen. Du kannst nichts auswendig lernen — und ein schwaches Ergebnis ist oft ausgleichbar.

Was der Leistungstest wirklich misst

Neben dem medizinischen Teil und dem psychologischen Gespräch gehört zur MPU ein computergestützter Leistungstest. Eingesetzt werden standardisierte psychometrische Testsysteme — etwa das Wiener Testsystem oder vergleichbare Verfahren. Wichtig zur Einordnung: Hier geht es nicht um deine Einsicht oder deine Vorgeschichte, sondern um deine verkehrsbezogene Leistungsfähigkeit. Geprüft werden vier Bereiche:

  • Reaktionsgeschwindigkeit — wie schnell du auf Signale reagierst
  • Aufmerksamkeit und Konzentration — wie verlässlich du über längere Zeit bei der Sache bleibst
  • Belastbarkeit unter Zeitdruck — wie stabil deine Leistung bleibt, wenn das Tempo steigt
  • visuelle Wahrnehmung und Orientierung — wie gut du Verkehrsszenen erfasst und überblickst

Der Hintergrund ist einfach: Wer am Steuer sitzt, muss schnell wahrnehmen, richtig einordnen und rechtzeitig handeln. Genau diese Grundfunktionen werden hier neutral gemessen — am Computer, mit klaren Normwerten zum Vergleich.

Die einzelnen Testarten

Welche Verfahren konkret eingesetzt werden, ist nicht an jeder Begutachtungsstelle identisch. Diese Testarten kommen typischerweise vor:

  • Reaktionstest — einfache und komplexe Reaktion: Du reagierst per Tastendruck auf einzelne oder kombinierte optische und akustische Reize.
  • Determinationstest — Reaktion unter Dauerbelastung: Mit Tasten und Pedalen ordnest du fortlaufend Farben, Töne und Signale zu, das Tempo steigt an.
  • Cognitrone — Konzentrationstest: Du vergleichst Figuren und entscheidest, ob sie übereinstimmen, über eine längere Strecke konzentriert.
  • Tachistoskopischer Verkehrsauffassungstest — kurz eingeblendete Verkehrsszenen, aus denen du das Wesentliche erfassen und wiedergeben musst.
  • Linienverfolgungstest — visuelle Orientierung: Du verfolgst verschlungene Linien mit den Augen vom Anfang bis zum Ende.
Vor jedem Test gibt es einen Übungsdurchgang. Du bekommst Kopfhörer sowie Eingabegeräte (Tasten und Pedale) und kannst dich in Ruhe mit der Aufgabe vertraut machen, bevor die eigentliche Messung startet. Niemand wird ohne Erklärung ins kalte Wasser geworfen.

So bereitest du dich auf den Testtag vor

Der Test ist nicht im Sinne von „Antworten lernen" trainierbar. Es gibt keine Musterlösungen, keine Tricks und keinen Stoff zum Auswendiglernen — gemessen wird deine Tagesform, nicht dein Wissen. Was du beeinflussen kannst, sind die Grundbedingungen:

  1. Ausgeschlafen erscheinen. Müdigkeit zieht Reaktion und Konzentration spürbar herunter — gerade weil das die Messgrößen sind.
  2. Sehhilfe mitbringen. Wer Brille oder Kontaktlinsen trägt, braucht sie hier zwingend: Mehrere Tests prüfen visuelle Wahrnehmung und Orientierung.
  3. Klar und nüchtern antreten. Vor dem Termin auf Alkohol und andere leistungsmindernde Substanzen verzichten.
  4. Den Übungsdurchgang nutzen. Frag nach, wenn etwas unklar ist — die Übungsphase ist genau dafür da.

Wenn die Normwerte am Computer nicht reichen

Das ist der wichtigste Punkt — und der, der vielen die größte Angst nimmt: Wer die geforderten Normwerte am Computer nicht erreicht, kann das in der Regel durch eine Fahrverhaltensprobe ausgleichen.

Die Fahrverhaltensprobe ist eine echte Fahrt im Straßenverkehr mit einem amtlich anerkannten Sachverständigen oder Fahrprüfer. Dabei wird beobachtet, ob du Defizite, die der Computer angezeigt hat, im echten Fahren ausgleichst — zum Beispiel durch Erfahrung, vorausschauendes Fahren oder angepasste Geschwindigkeit. Ein schwaches Computerergebnis bedeutet damit nicht automatisch ein negatives Gutachten. Es eröffnet einen zweiten, praxisnahen Weg, deine Fahreignung zu zeigen.

Zur Einordnung: Laut Statistik der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) gehen über alle Anlässe hinweg etwa 4 von 10 Begutachtungen nicht mit einem positiven Ergebnis aus. Diese Zahl bezieht sich auf die gesamte MPU, nicht allein auf den Leistungstest — und sie ist eine neutrale Statistik, kein Maßstab für deinen Einzelfall.

Häufige Fragen

Kann ich für den MPU-Leistungstest üben?

Nicht im Sinne von „Antworten lernen" — gemessen werden Reaktion, Aufmerksamkeit und Belastbarkeit, nicht Wissen. Du kannst aber für gute Grundbedingungen sorgen: ausgeschlafen sein, die Sehhilfe mitbringen und den Übungsdurchgang ernst nehmen, der vor jedem Test angeboten wird.

Was passiert, wenn ich die Normwerte am Computer nicht erreiche?

Wer die geforderten Normwerte am Computer nicht erreicht, kann das in der Regel durch eine Fahrverhaltensprobe ausgleichen — eine echte Fahrt mit einem amtlich anerkannten Sachverständigen oder Fahrprüfer. Ein schwaches Computerergebnis bedeutet also nicht automatisch ein negatives Gutachten.

Wie sollte ich mich auf den Testtag vorbereiten?

Ausgeschlafen erscheinen, Brille oder Kontaktlinsen mitbringen und vor dem Termin auf größere Mengen Alkohol oder andere leistungsmindernde Substanzen verzichten. Jeder Test beginnt mit einem Übungsdurchgang, in dem du dich mit Kopfhörer, Tasten und Pedalen vertraut machen kannst.

Quellen

  • Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) — Statistik zur Fahreignungsbegutachtung und Begutachtungsleitlinien zur Kraftfahreignung
  • ADAC — Informationen zum Ablauf der MPU und zum Leistungstest
  • Fahrerlaubnis-Verordnung (FeV), insb. § 11 (Eignung) in Verbindung mit der Fahrverhaltensbeobachtung
Hinweis: Diese Informationen bieten allgemeine Orientierung und ersetzen keine Rechts- oder medizinische Beratung oder verbindliche Auskunft der Begutachtungsstelle. Welche Testverfahren eingesetzt werden und welche Normwerte gelten, kann je nach Stelle und Einzelfall unterschiedlich sein.