Teil 1 von 3

Der medizinische Teil der MPU

Der medizinische Teil klärt deinen körperlichen Zustand und — je nach Anlass — deinen Umgang mit Alkohol oder Drogen über Laborwerte und Abstinenznachweise.

Was im medizinischen Teil passiert

Der medizinische Teil dauert meist nur einen kleinen Abschnitt des Untersuchungstages, ist aber bei Alkohol- und Drogenanlässen oft der Teil, auf den du dich am längsten im Voraus vorbereiten musst — weil die nötigen Nachweise Monate brauchen. Er besteht aus drei Bausteinen: einem Gespräch über deine Gesundheit (Anamnese), einer körperlichen Untersuchung und — je nach Anlass — Laborwerten.

In der Anamnese stellt die Ärztin oder der Arzt Fragen zu Vorerkrankungen, Medikamenten und deinem Konsumverhalten. Die körperliche Untersuchung erfasst unter anderem Größe, Gewicht, Blutdruck, Puls, Reflexe, Pupillen und die Haut — also Anzeichen, die auf Konsum oder gesundheitliche Folgen hindeuten könnten. Welche Laborwerte dazukommen, hängt direkt vom Anlass deiner MPU ab.

Laborwerte je nach Anlass

Es gibt nicht „die eine" MPU-Blutprobe. Bei einem Punkte-Anlass hat der medizinische Teil in der Regel keinen Konsum-Schwerpunkt — geprüft wird vor allem der allgemeine Gesundheitszustand. Bei Alkohol und Drogen sieht das anders aus.

Bei Alkohol

Hier werden typischerweise die Leberwerte betrachtet: GGT (Gamma-GT), GOT (AST) und GPT (ALT). Dazu kommen das MCV (die Größe der roten Blutkörperchen) und vor allem das CDT (Carbohydrat-defizientes Transferrin) — ein Marker, der auf längeren, regelmäßigen Alkoholkonsum hinweisen kann.

Wichtig: CDT und Leberwerte allein gelten nicht als ausreichender Abstinenznachweis. Sie zeigen Hinweise auf das Konsumverhalten, ersetzen aber kein Abstinenzprogramm. Den eigentlichen Nachweis erbringst du über EtG (siehe nächster Abschnitt).

Bei Drogen und Cannabis

Üblich ist ein Drogenscreening im Urin; bei Cannabis wird auf THC-COOH getestet (das Abbauprodukt von THC). Für einen längeren Zeitraum kommt die Haaranalyse hinzu, die rückwirkend Aufschluss gibt.

Der Abstinenznachweis: EtG, Urin und Haar

Bei Alkohol läuft der Abstinenznachweis über EtG (Ethylglucuronid) — ein direkter Abbaustoff von Alkohol, der zwei Wege erlaubt:

  • EtG im Urin: deckt einen kurzen Zeitraum ab — Alkohol ist hier etwa bis 80 Stunden nachweisbar. Deshalb funktioniert der Nachweis nur über ein Programm mit mehreren, über Monate verteilten Kontrollen.
  • EtG in der Haaranalyse: wirkt rückwirkend. Faustregel: ca. 1 cm Haar entspricht etwa 1 Monat, üblich ist eine Aussage über maximal rund 3 cm — also etwa drei Monate.

Bei Drogen funktioniert es analog: das Urin-Drogenscreening für den kurzfristigen, die Haaranalyse für den längeren Zeitraum.

So läuft ein Abstinenzprogramm ab

Die Dauer richtet sich danach, ob du den Nachweis freiwillig oder auf Anordnung erbringst:

  • Freiwillig: oft 6 Monate
  • Angeordnet: meist 12 Monate

Beim Urinprogramm gibt es mehrere unangekündigte Kontrollen pro Jahr — bei einem 6-Monats-Programm meist 4 Kontrollen. Die Einbestellung kommt kurzfristig, oft binnen etwa 24 Stunden. Du musst also erreichbar bleiben und zeitnah zum Labor kommen können; verpasste Termine können den Nachweis gefährden.

Nur anerkannte Programme zählen. Der Nachweis ist nur gültig, wenn er von einem forensisch anerkannten Labor oder Programm stammt. Ein Test bei der Hausärztin oder ein selbst organisierter Befund wird in der MPU in der Regel nicht akzeptiert. Kläre die Anerkennung, bevor du startest.

Was der Abstinenznachweis kostet

Die Kosten trägst du selbst. Zur Orientierung:

PostenRichtwert
Urinkontrolle (je Termin)ca. 80–150 €
Haaranalyse (je Analyse)ca. 150–300 €

Über ein 6- oder 12-Monats-Urinprogramm summieren sich die Einzelkontrollen entsprechend. Plane das früh in dein Budget ein.

Ein Wort zur Vorbereitung

Der medizinische Teil lässt sich nicht „üben" und schon gar nicht durch Tricks oder vorbereitete Antworten beeinflussen — Werte sind Werte. Wer im Gespräch versucht, Konsum kleinzureden oder etwas auswendig Gelerntes herunterzubeten, fällt eher auf als dass es hilft. Sinnvoller ist, rechtzeitig ein anerkanntes Abstinenzprogramm zu starten und beim Gespräch ehrlich und nachvollziehbar zu bleiben.

Zur Einordnung, ganz ohne Versprechen: Laut Statistik der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) enden etwa 4 von 10 Begutachtungen ohne positives Ergebnis. Das ist kein Grund zur Panik, aber ein guter Grund, den medizinischen Teil und die Nachweise frühzeitig und sauber anzugehen.

Häufige Fragen

Reichen gute Leberwerte als Abstinenznachweis?

Nein. Leberwerte wie GGT, GOT und GPT sowie das CDT zeigen Hinweise auf längeren oder stärkeren Alkoholkonsum — sie gelten aber nicht als ausreichender Abstinenznachweis. Den Nachweis erbringst du über EtG (Ethylglucuronid) im Urin oder in der Haaranalyse, durchgeführt von einem forensisch anerkannten Labor oder Programm.

Wie lange muss ich Abstinenz nachweisen?

Freiwillig sind es oft 6 Monate, behördlich angeordnet meist 12 Monate. Beim Urinprogramm gibt es mehrere unangekündigte Kontrollen pro Jahr; bei einem 6-Monats-Programm sind es meist 4 Kontrollen. Die Einbestellung kommt kurzfristig, oft binnen etwa 24 Stunden — du musst also erreichbar und zeitnah verfügbar sein.

Was kostet der Abstinenznachweis?

Eine einzelne Urinkontrolle kostet je Termin etwa 80 bis 150 Euro, eine Haaranalyse etwa 150 bis 300 Euro. Über ein 6- oder 12-Monats-Programm summieren sich die Urinkontrollen entsprechend. Es zählen nur forensisch anerkannte Labore und Programme.

Quellen

  • Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) — Begutachtungsleitlinien zur Kraftfahreignung und Statistik zur Fahreignungsbegutachtung
  • ADAC — Informationen zu MPU-Ablauf, Abstinenznachweisen und Kosten
  • Fahrerlaubnis-Verordnung (FeV), insb. § 11, § 13 (Alkohol), § 14 (Drogen)
Hinweis: Diese Seite bietet allgemeine Orientierung und ersetzt keine Rechtsberatung, medizinische Beratung oder verbindliche Auskunft einer Begutachtungsstelle. Welche Werte und Nachweise im Einzelfall verlangt werden, kann je nach Anlass und Stelle unterschiedlich sein.